Stellungnahme zum Rechtschreibunterricht

Stellungnahmen
15. Juni 2021

Stellungnahme zum Rechtschreibunterricht

Stellungnahme der Landesgruppe Thüringen des Grundschulverbandes e.V.

zu Anträgen der Fraktionen DIE LINKE, der SPD und BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN 

Ursachen für fehlende Rechtschreibkompetenzen erkennen – Schul- und Unterrichtsentwicklung

in der Primarstufe nachhaltig stärken

der Fraktion der CDU; 

Grundschulen bei der Vermittlung grundlegender Kulturtechniken unterstützen, Kompetenz 

der Lehrerinnen und Lehrer achten;

der Fraktion der FDP 

Rechtschreibunterricht zeitgemäß gestalten

Der Rechtschreibunterricht heute aus unterrichtspraktischer Perspektive

Laut aktueller Thüringer Schulordnung stehen für den Deutschunterricht an Grundschulen 6 Unterrichtsstunden pro Woche zur Verfügung (siehe ThürSO Anlage 1 zu §44 Abs. 1). In diesen 6 Unterrichtsstunden sollen alle Lernbereiche des Faches Deutsch abgedeckt werden. Das sind laut Thüringer Lehrplan für Grundschulen und für Förderschulen mit dem Bildungs-gang Grundschule: Hör- / Hör- Sehverstehen; Sprechen; Leseverstehen; Schreiben und über Sprache, Sprachverwendung und Sprachenlernen reflektieren. Lediglich im Lernbereich „Schreiben“ lassen sich Kompetenzen zur Rechtschreibung wiederfinden. Am Ende der Schuleingangsphase, d.h. am Ende der zweiten Klasse, sollen die Kinder „erste Rechtschreibmuster anwenden können, wie zum Beispiel: einhalten der Wortgrenzen, Groß-schreibung am Satzanfang sowie Groß- und Kleinschreibung“ (siehe TMBWK LP Deutsch 2010 S. 15). Ende Klasse 4 sollen Schüler*innen „Rechtschreibregeln anwenden können: Groß- und Kleinschreibung, Getrennt- und Zusammenschreibung und Wörter mit rechtschriftlichen Besonderheiten“ (siehe ebd.).  Darüber hinaus sollen Schüler*innen „Satzzeichen richtig setzen und Zeichen der wörtlichen Rede richtig verwenden (…), aber auch den Klassenwortschatz, den Schreibwortschatz und einen individuellen Wortschatz nutzen sowie Wörter in Mitsprech-, Nachdenk- und Merkwörter einteilen“ (siehe ebd.).

Mehr Vorgaben zum Thema Rechtschreibung lassen sich im Thüringer Lehrplan nicht finden. Im Lernbereich „Über Sprache, Sprachverwendung und Sprachenlernen reflektieren“ befinden sich grammatische Inhalte, wie zum Beispiel Zeitformen oder Wortarten, die zu einem fundierten Rechtschreibwissen beitragen. 

Diese konkreten Kompetenzen, die im Lehrplan beschrieben sind, zeigen deutlich, dass der Erwerb von Rechtschreibung ein kleiner Bereich im Thüringer Lehrplan einnimmt. Dennoch wissen Lehrer*innen um die Bedeutung der Rechtschreibung, weshalb trotz des geringen Umfangs viel Unterrichtszeit dafür verwendet wird. Bei der Diskussion um die Rechtschreibleistung von Grundschülern darf nicht vergessen werden, dass die Förderung der an-deren Lernbereiche ebenfalls eingefordert wird. Die Leseleistung der Kinder steht immer wieder im Fokus der öffentlichen Diskussion und soll ebenfalls in 6 Unterrichtsstunden pro Woche gefördert werden. Aber auch die Vermittlung von Sprech- und Erzählkompetenzen soll im Deutschunterricht Platz finden. Das sind viele Aufgaben für wenig Unterrichtszeit. Dazu kommen die weiteren unteilbaren Aufgaben für Klassenlehrer*innen. So gibt es viele organisatorische Aufgaben zu bewältigen, die zwangsweise während eines Teils des Unterrichts erledigt werden müssen, da an anderen Stellen keine Zeit dafür da ist oder die Klasse nicht vollständig ist. Neben organisatorischen Aufgaben entfallen auch erzieherischer Aufgaben auf den Deutschunterricht. So muss zum Beispiel eine Auseinandersetzung aus der Pause besprochen und geklärt werden, sodass diese Kinder befreit von ihrer emotionalen Last am Deutschunterricht teilnehmen können. Die angerissene Aufgabenvielfalt der Lehrkräfte hat der Grundschulverband in einer Veröffentlichung mit dem Titel: „Zu viel Aufgaben, zu wenig Zeit: Überlastung von Lehrkräften in der Grundschule“ ausführlich und unter wissenschaftlicher Expertise dargestellt. 

Der Deutschunterricht in der Grundschule

In der Einleitung des Thüringer Lehrplans für die Grundschule im Fach Deutsch heißt es: „Lesen und Schreibenlernen ist ein lebenslanger Prozess, der den Weg in die Schriftkultur eröffnet und die eigenständige Teilhabe am kulturellen und sozialen Leben sichert“ (siehe TMBWK LP Deutsch 2010 S. 5). Eine gesicherte Rechtschreibleistung ist demnach nicht am Ende der Grundschulzeit zu erwarten, sondern eine fortzuführende Aufgabe der weiterführenden Schulen. Die oben genannten Kompetenzen aus dem Bereich „Rechtschreibung“ reichen nicht aus, um von einer vollumfänglichen Rechtschreibkompetenz zu sprechen. Jedoch werden hohe Erwartungen an die Rechtschreibleistungen von Grundschüler*innen am Ende der vierten Klasse gestellt.

Darüber hinaus sollen „(…) die Lernbereiche des Deutschunterrichts miteinander vernetzt und vom Schüler ganzheitlich erlebt werden. Dieses integrative Vorgehen sowie die Verbindung mit anderen Fächern rücken das sprachliche Handeln in den Mittelpunkt des Unterrichts und des Lernens“ (siehe ebd.). Für den Rechtschreibunterricht an Thüringens Grundschulen bedeutet das konkret, dass es keine „losgelöste“ Rechtschreibstunde gibt. Der Lehrplan schreibt vor, dass die Lernbereiche miteinander verknüpft werden sollen. Somit wird zum Beispiel ein selbstverfasster Schülertext als Ausgangspunkt für die Arbeit an Rechtschreibmustern und – regeln genutzt oder die Betrachtung eines Kinderbuches lädt dazu ein, Rechtschreibphänomene zu entdecken. Hierbei werden die Lernbereiche Hör- / Hör-Sehverstehen und Schreiben miteinander verknüpft. 

Des Weiteren ist hinreichend bekannt, dass die Schüler*innen eine große Heterogenität im Lern- und Leistungsstand aufweisen. Auch die Rechtschreibkompetenz entwickelt sich individuell. Das Besprechen eines Rechtschreibphänomens mit einer ganzen Klasse ist nicht effektiv, weil einiger Kinder das Phänomen bereits beherrschen, Manche benötigen lediglich eine Wiederholung und andere wiederum eine ausführliche Erklärung. Deshalb ist es wichtig, dass Lehrer*innen die Rechtschreibleistung der Klasse erfassen und den Kindern auf sie individuell passende Übungen zur Förderung ihrer Rechtschreibleistung geben. So sieht eine zeitgemäße Gestaltung des Rechtschreibunterrichts aus. 

Das Land Thüringen sollte hierbei die Lehrerinnen und Lehrer unterstützen, indem geeignete Diagnoseinstrumente zur Verfügung gestellt werden. Unter anderem ist die Hamburger Schreibprobe (kurz: HSP) ein standardisierter Test zur Erfassung der Rechtschreibleistung der Kinder. Somit bekommen Lehrer*innen eine direkte Rückmeldung darüber, auf welcher Stufe des Schriftspracherwerbs sich ihrer Schüler*innen befinden. Dieser Test ist einfach anzuwenden, benötigt wenig Zeit und kann mit einem ganzen Klassenverband durchgeführt werden. 

An die Adresse der AfD

„Lesen durch Schreiben“ bzw. „Schreiben nach Gehör“ verbieten

Eine Frage, die in Elternabenden kurz vor Beginn des neuen Schuljahres in einer ersten Klasse gestellt wird: „Machen Sie dieses Schreiben nach Gehör?“. Die mehrheitliche Antwort in Thüringen: „NEIN!“. 

„Lesen durch Schreiben“ geht zurück auf den Schweizer Pädagogen Jürgen Reichen. Diese Methode wird alle Jahre wieder in den Medien diskutiert und nahezu verteufelt. Jedoch wird über etwas diskutiert, dass „einen Marktanteil von weniger als 2 – 3 %“ in Deutschland aufweist. Darüber hinaus sind die entsprechenden Lehrwerke nicht über den Thüringer Schulbuchkatalog bestellbar (siehe Thüringer Schulportal: Schulbuchkatalog). Das heißt keine Thüringer Schule kann die von Jürgen Reichen entwickelten Materialen erwerben und somit auch nicht umsetzen. 

Auch hierzu hat der Grundschulverband im Mai 2018 Stellung bezogen und unter empirischen Ergebnissen nachgewiesen, dass „empirische Methodenvergleiche keine Vorteile für den Unterricht mit Fibel Lehrgängen bzw. eine Begrenzung des Schreibwortschatzes auf ein-geübte gefunden haben“ (vgl. Funke 2014; Brügelmann 2015).

Mehr zum Thema Rechtschreibung: https://grundschulverband.de/wp-content/uploads/2017/02/argu_rechtschreiben.pdf

Rechtschreibung in der ersten und zweiten Phase der Grundschullehrer*innen Ausbildung

Die Grundschullehrer*innen Ausbildung an der Universität Erfurt ist in einen Bachelor (6 Se-

mester) und einen Master of Education (4 Semester) gegliedert. Dabei ist die Ausbildung im Unterrichtsfach Deutsch verpflichtend. In der universitären Ausbildung sollen vor allem die theoretischen Grundlagen für den Beruf gelegt werden. Schaut man sich nun die Veranstaltungen (Vorlesungen und Seminare) an, dann fällt auf, dass auch hier der Anteil für das Fach Deutsch gering bleibt. Im Bachelor sind 9 Leistungspunkte für die Fachwissenschaft Deutsch und 6 Leistungspunkte für die fachdidaktische Vertiefung zu erbringen. Zu Beginn des Studiums gibt es eine einführende Lehrveranstaltung für 3 Leistungspunkte. Das Masterstudium beinhaltet ein Modul „Grundlegungsfach Deutsch“ (9 Leistungspunkte) mit einer Vorlesung, einem Seminar und einem fachdidaktischen Schulpraktikum.

Die zweite Phase der Grundschullehrer*innen Ausbildung findet an den staatlichen Studienseminaren Erfurt und Gera statt. Am Staatlichen Studienseminar Erfurt wird in dem einjährigen Vorbereitungsdienst für das Lehramt an Grundschule eine Pflichtveranstaltung zum Thema: „Rechtschreiben lernen“ und eine Pflichtveranstaltung zum Thema: „Schriftspracherwerb“ angeboten. 

All das zeigt genau, dass bereits in der Lehrer*innen Ausbildung sehr wenig Zeit für intensive Auseinandersetzung mit den 5 Lernbereichen des Deutschunterrichts bleibt und als Vollzeit arbeitende Lehrer*innen bleibt noch weniger Zeit für die Auseinandersetzung mit fachdidaktischen und fachwissenschaftlichen Inhalten.  

Nachfolgend untermauern wir die Ausführungen durch die Beschreibung erlebter Praxis in der Universität Erfurt.

„Ich studiere im zweiten Fachsemester den Master of Education Grundschule und habe somit die theoretischen Aspekte der Lehramtsausbildung in Thüringen fast vollständig durchgearbeitet.

Aufgrund aktueller Diskussionen zum Thema „richtig schreiben“ und „Rechtschreibung“ an Grundschulen habe ich mich gefragt, inwiefern ich ausgebildet wurde, um Schüler*innen im Alter zwischen 6 und 10 Jahren das richtige Schreiben zu vermitteln. Welche Seminare und Vorlesungen haben während meines nun fast 5 Jahre dauernden Studiums (Bachelor PEB und MEDGr) diese Thematik aufgegriffen?

Die Antwort: vier.

Jedoch nur eine dieser Lehrveranstaltungen ist Pflicht für alle Studierenden. Die übrigen drei Se-minare und Vorlesungen tauchten in meinem Stundenplan aufgrund von persönlichem Interesse und meinem Schwerpunktfach Deutsch auf.

In einem Grammatik-Seminar im Bachelor Studiengang „Primare und elementare Bildung“ wurde sehr intensiv die deutsche Grammatik behandelt. Jedoch nicht auf die Grundschule und ihre Didaktik gerichtet. Das Seminar war jedoch sehr hilfreich um das eigene Fachwissen zu vertiefen und aufzufrischen. Diese Veranstaltung besuchte ich jedoch nur aufgrund meiner Nebenstudienrichtung „Germanistik“.

Soweit zum Bachelor-Studium. Kein anderes Seminar in diesen drei Jahren behandelte Thematiken wie Grammatik, Rechtschreibung oder gar Schriftspracherwerb von Kindern und dessen Didaktik. Sicherlich hätte man das durch eine andere Auswahl von Wahl-Veranstaltungen ändern können. Doch die Tatsache, dass keine einzige Pflichtveranstaltung in diesem Studiengang der Thematik gewidmet ist, spricht Bände.

Man könnte an dieser Stelle argumentieren: der Bachelor-Studiengang widmet sich der Fachwis-senschaft, nicht der Fachdidaktik. Das folgt im Master. 

Im ersten Semester meines Master-Studiums nahm ich an einem Seminar zum Schriftspracherwerb und an einer Veranstaltung zu den Grundlagen der Sprachdidaktik teil. Ersteres behandelte unter anderem die Rechtschreibprinzipien, orthografische Kompetenzen, die Stufen und Methoden des Schriftspracherwerbs (Fibel-Lehrgänge, silbenanalytischer Ansatz und Lesen durch Schreiben). Die Lehrveranstaltung zur Sprachdidaktik behandelte ebenfalls, neben anderen Schwerpunkten, die Thematiken zum Schriftspracherwerb (Stufen, Modelle, Methoden), setzte sich auch mit der Orthographie auseinander und vermittelte die Schreibentwicklung in der Grundschule. Beide Lehrveranstaltungen vermittelten gute bis sehr gute Einblicke in die Didaktik und Fachwissenschaft zum Schriftspracherwerb und der damit einhergehenden Entwicklung der Rechtschreibung. Jedoch sind sie nicht Pflicht, für alle Studierenden im MEdGr. Im Gegensatz zur vierten und letzten Veranstaltung: die Vorlesung „Fachdidaktik Deutsch“. Sie behandelt unter anderem den Schriftspracherwerb, unterschiedliche entsprechende Stufenmodelle, das Lesenlernen und geht auf unterschiedliche Lese- Rechtschreibschwierigkeiten ein.

Nach fast fünf Jahren Studium fühle ich mich nicht ausreichend auf das Lehrer*innen-Dasein vorbereitet. Viele Thematiken wurden kaum andere dafür sehr ausführlich behandelt. Wichtige Gebiete, die Schwerpunkte der Ausbildung sein sollten, können in möglichen Wahlveranstaltungen kennengelernt und erarbeitet werden. 

Auf die Frage hin, inwiefern sie sich auf die Berufs-Praxis vorbereitet fühlen wurde von anderen Studierenden geantwortet, dass die Praxis und nötige Seminare mit entsprechenden Inhalten vor allem im Bachelor viel zu kurz kamen und sich mehr Angebote beziehungsweise mehr Pflichtveranstaltungen in diese Richtung gewünscht worden wären.“

In der 3. Phase der Lehrerausbildung verfolgt das Ziel, Lehrkräfte durch hochwertige Fortbildungen in Ihrer Kompetenzentwicklung zu unterstützen. Ein Blick in den aktuellen Veranstaltungskalender des Thillm macht deutlich –> das Abitur ist nah und es gibt unzählige Fortbildungen zum Thema „Korrektur“. Die wenigen und wahrscheinlich auch guten Fortbildungen im Bereich Grundschule sind rar und oft sehr schnell ausgebucht. Ein Mehr von diesen Fortbildungen sollte in jeden Fall im Katalog angeboten werden. Das bringt am Ende die Schule und guten Unterricht weiter!

Schlussfolgernd ist festzuhalten:

Derzeit gibt es nicht das eine Lernerfolg versprechendes Unterrichtskonzept.  Selbstverständlich stellt ein regelmäßiges Evaluieren verwendeter Modelle, Konzepte und Methoden eine Grundvoraussetzung eines qualitativ hochwertigen Unterrichts dar. Deshalb stellt sich hier nicht die Frage nach der Methode, sondern danach, wie Unterricht, hier die Entwicklung von Lese- und Rechtschreibkompetenz, verbessert werden kann.   

Im Bundesland Thüringen sind wir in der Lage, methodenvielfältig zu unterrichten, was einen Teil der Forderung nach „zeitgemäßem Rechtschreibunterricht“ bereits ausmacht. Beim methodenvielfältigen Arbeiten wird die Heterogenität der Lernvoraussetzungen von Schülerinnen und Schülern, deren Interessen sowie die Vielfalt unterrichtlicher Anforderungen beachtet. Dabei nutzt die Lehrperson reichhaltig verfügbare Inszenierungstechniken, setzt Handlungsmuster und Verlaufsformen des Unterrichts variabel ein. Methodenvielfalt ist empirisch als Gütekriterium von Unterricht bereits bestätigt, was aber auch bedeutet, dass es nicht eine optimale Unterrichtsmethode gibt, die gleichermaßen Erfolg garantiert

Im Schriftspracherwerb und sprachlichen Anfangsunterricht gibt es tatsächlich eine Vielfalt an Methoden, die immer wieder reflektiert werden und im fachdidaktischen Diskurs zur Debatte stehen. Diese Methoden sind jedoch aus einem gesellschaftlichen und pädagogischen Zusammenhang gewachsen und in den Wandel von Gesellschaft eingebunden, praktisch die pädagogische Antwort auf Veränderungen, die direkt im Klassenzimmer spürbar werden. Die beste Methode, allen Kindern gleichermaßen gut Lesen und Schreiben vermitteln zu können, gibt es nicht.

Einen Wortschatz als globale Größe gibt es so nicht. Kinder benötigen für dessen Ausbildung phonologische Bewusstheit, Wissen zur Wortbildung, orthografisches Wissen und die mentale Leistung der Begriffsbildung. Laut Befunden ist der individuelle Wortschatz von Grund-schulkindern eng mit deren Lesefähigkeiten, ihrem sozialen Umfeld und ihrem schulischen Erfolg an sich verknüpft. Der Aufbau des Wortschatzes ist ein lebenslanger, mehrstufiger Prozess, dessen Vorläufer bereits im Säuglingsalter liegen. 

Ein einheitlicher Grundwortschatz ist nicht zielführend. Für ein sicheres Abrufen erlernter Wörter ist sinnvoller, Kindern genügend Gelegenheit sowohl im mündlichen als auch im schriftlichen Sprachgebrauch zu geben, diese in vielfältigen, auch individuellen Kontexten anzuwenden.

Der Vorstand der Landesgruppe Thüringen des Grundschulverbandes e.V. fordert:

  1. Die Gesellschaft fordert, dass sich Grundschulkinder mehr mit dem Erwerb der Sprache Deutsch auseinandersetzen. Demzufolge fordern wir eine Erhöhung der Stundenzahl Deutsch um 1 Stunde wöchentlich. 
  2. Ergänzungsstunden in der Grundschule stehen weiterhin zur Förderung und Forderung der Kinder den Klassenlehrer*innen zur Verfügung.
  3. Studierende müssen sich verpflichtend im Rahmen ihrer universitären Ausbildung mit dem Thema Erwerb der Schriftsprache auseinandersetzten. Die Erhöhung der Leistungspunkte im Fach Deutsch für die fachdidaktischen Aspekte ist dringend vorzunehmen. 
  4. Mit der Verlängerung des Vorbereitungsdienstes allen Lehramtsanwärter*innen wird eine intensive Ausbildung hinsichtlich eines inklusiven Deutschunterrichts gewährleistet.
  5. Die Anzahl der Förderpädagogen in der Grundschule muss erhöht werden.  Damit wird Lese- und Rechtschreibstörungen aller Art vorgebeugt. Entsprechende Test- und Trainingsverfahren sind den Schulen kostenlos zur Verfügung zu stellen.
  6. Wir fordern von den weiterführenden Schulen, dass sie den begonnenen Schriftspracherwerb entsprechend der Lehrplanvorgaben fortsetzen.
  7. Wir fordern qualitativ hochwertige Fortbildungen für Grundschullehrkräfte im Bereich Medienbildung, Diagnostik/Förderung, um Schüler*innen ob leistungsstark oder lernbeeinträchtigt in allen Fächern der Grundschultafel optimal fordern und fördern zu können.  

Für die Landesgruppe Thüringen

Steffi Jünemann